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Wednesday, July 21, 2021

Supernanny für Unternehmen

Ob autoritär, demokratisch oder laissez-faire, die verschiedenen Erziehungsstile der Elternhäuser prägen das Familienleben und spätere Leben der Kinder maßgeblich. Was für Eltern und Kinder gilt, ist auch für Führungskräfte und Mitarbeiter gut. Das Rad muss in der Organisationsentwicklung nicht ständig neu erfunden werden. So vergleichen wir in diesem Blog die drei gängigsten Erziehungsstile mit den  gewohnten Führungsstilen  und finden (fast zu) viele Parallelen.

Starke Menschen machen starke Teams machen starke Unternehmen

Wie in der Kindererziehung haben wir es in der Mitarbeiterführung mit verschiedenen Führungsstilen zu tun. Die Art und Weise, wie die Führungskraft mit ihren Mitarbeitern umgeht, bestimmt die Unternehmenskultur maßgeblich. Welcher Führungsstil die Unternehmenskultur prägt, entscheidet die Geschäftsführung und wird geprägt von ihrer Grundhaltung und ihrer eigenen Prägung durch Erziehung und Umfeld. Wo es dem einen Chef wichtig ist, dass der Mitarbeiter mitdenkt und zu allen Dingen seine Meinung kundtut, so möchten die Anderen, dass ihre Mitarbeiter nur dann sprechen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Die Konsequenzen des jeweiligen Stils ist schnell im Verhalten der Mitarbeiter erkennbar, der erbrachten Leistungen und dem Gemütszustand der Vorgesetzen.
Ob ein Miteinander herrscht, ein gegenseitiges Stärken und Aufbauen oder ein allgegenwärtiges Misstrauen und Kontrollieren, zeichnet sich in den Kennzahlen von Fluktuation, Mitarbeitermotivation, Führungskräfteverschleiß, Innovationspower, Schnelligkeit oder der allgemeinen Effizienz ab.

Schauen wir uns drei der gängigsten Erziehungsstile genauer an und entdecken wir Parallelen zu den Führungskulturen.

Wie man erfolgreiche Eltern wird:

Eine Vielzahl von Studien machen deutlich, dass starke und erfolgreich heranwachsende Kinder von Eltern aufgezogen werden, die einen Weg finden, Wärme und Sensibilität mit klaren Verhaltenserwartungen zu verbinden.
Die vier Grundpfeiler erfolgreicher Kinder- Erziehung sind

  • Fürsorge (Akzeptanz und Zuneigung zeigen)
  • Konsistenz (Aufrechterhaltung eines stabilen Umfelds)
  • Entscheidungen (die es dem Kind ermöglichen, Autonomie zu entwickeln)
  • Konsequenzen (Auswirkungen von Entscheidungen, ob positiv oder negativ)

Demokratie: stark, unabhängig, gemeinsam

Wir sprechen von einem demokratischen Stil, wenn dem Kind die Möglichkeit gegeben wird, viele Dinge selbst zu bestimmen und auszuprobieren. Wichtige Entscheidungen und dessen Konsequenzen werden vorab mit den Kindern besprochen. So kommt es zur Förderung von Eigenaktivität, Eigeninitiative und Selbstständigkeit. Der demokratische Erziehungsstil bringt es mit sich, dass es immer wieder zu Diskussionen zwischen den Eltern und dem Kind kommt. Dies erfordert teilweise einiges an Zeit und ein gewisses Maß an Geduld, da der Ansatz darauf basiert, dass Eltern und Kinder in ihrer Meinung gleichberechtigt sind, also keine hierarchische Struktur besteht.

Der demokratische Erziehungsstil zeigt sich wie folg ab:
  • Der Erzieher versteht sich als Gruppenmitglied
  • Der Erzieher führt persönliche Gespräche mit den Kindern
  • Die Gruppenarbeit erfolgt ohne Befehle
  • Der Erzieher gibt vorab einen Überblick über die Tätigkeit und das Ziel
  • Die Entscheidungen werden in der Gruppe diskutiert
  • Der Erzieher unterstützt und ermutigt die Kinder
  • Die Aufgabenteilung unterliegt der Verantwortung der Gruppe
  • Lob und Tadel werden sachbezogen gegeben in Form von konstruktivem Feedback
  • Bei Problemen gibt der Erzieher Lösungsmöglichkeiten zur Auswahl vor

Autoritär: schwach, abhängig, gegeneinander

Merkmale des autoritären Erziehungsstils sind, dass ein Großteil der Aktivitäten vom Erzieher oder den Eltern bestimmt werden. Genannt wird dieser Stil auch „Elterndiktatur“ Strenge, viele Regeln, hohe Erwartungen, Belohnung und Bestrafung kennzeichnen diesen Erziehungsstil. Das Kind wird in seinem Verhalten und Denken gelenkt, entsprechend den Vorstellungen des Erwachsenen. Dabei werden häufig Befehle und Anordnungen an das Kind ausgesprochen, kontrolliert, kritisiert oder motiviert. Eingeschränkte Kreativität und Spontanität sowie Lustlosigkeit sind hier das Ergebnis. Nicht die Selbständigkeit der Kinder wird hier gefördert, sondern Gehorsam, Faulheit, Angst und führt oft zu einem geringen Selbstwertgefühl. Kinder, die autoritär erzogen werden, können aggressive Verhaltensweisen, besonders Schwächeren gegenüber, zeigen. Ein egozentrisches Sprachverhalten (ich, mein, mich, mir) kann bei auf diese Weise erzogenen Kindern ebenfalls oft beobachtet werden, da sie die Sprechweisen den Eltern nachahmen.

Der autoritäre Erziehungsstil zeigt sich wie folg ab:
  • der Erzieher bestimmt die Aktivitäten der Kinder
  • der Erzieher lobt und tadelt
  • der Erzieher verhält sich gegenüber den Kindern freundlich, aber unpersönlich
  • die Kinder wissen nicht, was als Nächstes kommt
  • der Erzieher arbeitet mit Drohungen und Einschüchterungen
  • der Erzieher gibt Befehle
  • der Erzieher übernimmt die Verantwortung

Laissez-faire: allein, haltlos, verlassen

Bei diesem Erziehungsstil verhalten sich die Eltern dem Kind gegenüber eher passiv, oder es wird als Gegenpol zu einer autoritären Erziehung im Extrem gelebt. Es werden nur minimale Vorgaben gemacht, so dass das Kind im Wesentlichen sich selbst überlassen wird. Es gibt keinen klaren Rahmen, der Orientierung und auch Sicherheit bieten würde. Diese Eltern haben kaum Ansprüche an das Kind und bei Auseinandersetzungen beachten sie nur selten die Auffassungen der Kinder. Beim laissez-faire Stil verhalten sich die Eltern eher gleichgültig und uninteressiert, sie versuchen, nur das zu tun, was nötig ist und die Anstrengungen so gering wie nur möglich zu halten. Im Extremfall vernachlässigen Eltern mit einem laissez-faire Erziehungsstil ihre Kinder. Kinder, die laissez-faire erzogen wurden, haben im Jugendlichen- und Erwachsenenalter oftmals Schwierigkeiten beim Aufbauen und Halten von Beziehungen zu Gleichaltrigen, da sie selbst in ihrer Kindheit keine positive emotionale Beziehung kennen gelernt haben. Auch wird das Selbstwertgefühl nicht aufgebaut und der Jugendliche kennt womöglich keinen angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz, was ebenfalls zu einer mangelnden Beziehungsfähigkeit führt.

Der laissez-faire Erziehungsstil zeigt sich wie folg ab:
  • der Erzieher beteiligt sich nicht
  • der Erzieher verhält sich freundlich, aber neutral
  • der Erzieher verhält sich passiv und greift nur marginal ein, dadurch wirkt er unter Umständen sogar desinteressiert und gleichgültig
  • der Erzieher beschränkt sich auf sehr kleine Vorgaben
  • der Erzieher bietet Hilfe an, die man aber selbst einfordern muss

Wie man erfolgreiche Führungskraft wird

Eine Vielzahl von Studien machen deutlich, dass starke, erfolgreiche und loyale Mitarbeiter von Führungskräften geführt werden, die einen Weg finden, Wärme und Sensibilität mit klaren (Verhaltens-) Erwartungen zu verbinden.

Die vier Grundpfeiler erfolgreicher Mitarbeiterführung sind:
  • Fürsorge (Akzeptanz und Zuneigung zeigen)
  • Konsistenz (Aufrechterhaltung eines stabilen Umfelds)
  • Entscheidungen (die es dem Mitarbeiter ermöglichen, Autonomie zu entwickeln)
  • Konsequenzen (Auswirkungen von Entscheidungen, ob positiv oder negativ) 

Fällt uns etwas auf? Ob Kindererziehung oder Mitarbeiterführung, die Basis bleibt die gleiche. Möchte sich also eine Führungskraft langfristig entlasten, sollte sie jetzt anfangen, sich ihres Führungsstils bewusst zu werden und Anpassungen in Richtung Demokratie vornehmen. Anders als in der Kindererziehung, werden es die Mitarbeiter lieben, dabei unterstützend zu sein. Ist nämlich der Wunsch da und ausgesprochen, die eigenen Mitarbeiter zu stärken, sie mit einzubeziehen und ihnen Entscheidungsmöglichkeiten zu bieten, hilft das Team durch Feedback, Ideen und Fehlertoleranz seinem Vorgesetzten, eine für alle passende Führungsrolle zu finden – vorausgesetzt der Führungsstil war bisher nicht zu autoritär.

Flügel oder Fessel? – Loslassen – die Kunst erfolgreicher Eltern

Kinder wie Erwachsene möchten sich entwickeln, frei sein, unabhängig und selbst bestimmt sein und ihre eigenen Erfahrungen machen. Werden sie im Sich-Selbst-Sein zu sehr eingeschränkt, erkämpfen sie aggressiv und nervenaufreibend ihre Freiheit zurück, geben sich selbst auf oder verlassen das Unternehmen. 
Das Gleiche gilt für Führungskräfte: Wer seine Mitarbeiter langfristig binden und motiviert halten möchte, hilft ihnen, sich frei zu entfalten, sich auszuprobieren, an der Unternehmenszukunft teilzuhaben und mitunternehmerisch tätig zu werden. Diese Menschen brauchen ein Umfeld in dem sie sich, gestützt auf gemeinsame Werte, selbst organisieren können. Damit das gelingt,  hilft ein gemeinsames und klares Bild von Sinn und Vision (Warum und Wozu) des Unternehmens, welches gemeinsam erarbeitet wurde.

Fazit

Wie in der Kindererziehung, sind die Auswirkungen des Führungsstils unmittelbar in der täglichen Zusammenarbeit, unserer gelebten Kultur und unseren Unternehmenszahlen erkennbar. Wie im Elternhaus, machen es sich Führungskräfte auf Dauer einfacher, wenn sie bestrebt sind, ihren Mitarbeitern genügend Raum zu geben, um sich selbst zu entwickeln, Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Verantwortungsübernahme zu erforschen und Versagen mit allen Konsequenzen zu erleben.
Damit dies gelingt, beginnen Führungskräfte am besten damit, ihre Führungsrolle zu reflektieren, zu analysieren und ggf. anzupassen.
Gerne unterstützen wir dabei.